Positionen

Vermehrte Einrichtung von Juniorprofessuren und Professuren

Die Deutsche Gesellschaft Juniorprofessur (DGJ) begrüßt, dass in den vergangenen Jahren die Anzahl der Juniorprofessuren in Deutschland deutlich angestiegen ist. Denn hierdurch wird dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine frühe Selbstständigkeit ermöglicht. Das deutsche Wissenschaftssystem gleicht sich internationalen Standards an, die ebenfalls eine frühe wissenschaftliche Selbständigkeit der Forscherinnen und Forscher vorsehen. Allerdings spricht sich die DGJ gegen eine weitere bloße Erhöhung der Zahl der Juniorprofessuren aus, wenn nicht zugleich neue W2- und W3-Professuren geschaffen werden. Die Schaffung neuer Professuren ist ohne Mehrkosten möglich. Juniorprofessuren dürfen dabei nur in einem so hohen Maße eingerichtet werden, dass statistisch mindestens rund 80% der W1-Professoren und -Professorinnen eine Chance haben, auf eine W2- oder W3-Professur zu gelangen.

Denn für eine frühe Selbständigkeit darf der Preis entrichtet werden, dass der Karriereweg mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Ausscheiden aus der Universität führt. Es muss auch in Deutschland möglich sein, wie in anderen Ländern zu einer Einschätzung der Qualifikation und Eignung von Hochschulpersonal noch vor Erreichen des 40. Lebensjahres zu gelangen. Geht die Juniorprofessur mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einher, dass eine weitere Berufung nicht erfolgen kann, dann wir die wissenschaftliche Selbständigkeit durch den Anpassungsdruck gegenüber der etablierten Wissenschaft geschwächt.

Die DGJ fordert daher, mehr Lebenszeitprofessuren zu schaffen und alle Juniorprofessuren mit einem Tenure Track auszustatten. Durch eine gleichzeitige Verringerung des drittmittelfinanzierten Mittelbaus kann die Betreuungsquote bei Promotionen und bei den anderen Studiengängen deutlich verbessert und der notwendige Ausbau finanziert werden. Die sehr hohe Zahl an Drittmittelbeschäftigten ist eine bloße Konsequenz der indirekten Finanzierung der Hochschulen durch den Bund, der den großen Etat der DFG ermöglicht. Es ist möglich, nach Abschaffung des Kooperationsverbotes zwischen Bund und Ländern die Drittmittel zugunsten einer besseren Grundfinanzierung der Hochschulen und damit zugunsten einer größeren Zahl von Professuren zu verringern.

Eine größere Anzahl von Professorinnen und Professoren führt darüber hinaus zu einem besseren Verhältnis zwischen Hochschullehrern sowie -lehrerinnen und Studierenden. Die aktuelle Betreuungsquote (Professur pro Studierende) ist im internationalen Vergleich absurd niedrig.
Es liegt nicht im Interesse des Bildungs- und Wissenschaftsstandorts Deutschland, wenn der Wettbewerb um gute Ideen und neue Forschungsansätze nur von 12% der Hochschulbeschäftigten getragen wird. Gegenwärtig ist nur dieser Bruchteil zu eigenständiger Forschung und Lehre berechtigt, und nur dieser Kreis kann innovative wissenschaftliche Arbeit ohne enormes persönliches biografisches Risiko wagen. Die DGJ fordert ein klares Bekenntnis zu mehr Wissenschaftsfreiheit. Sie kann nur durch die Einrichtung von mehr Professuren insgesamt erreicht werden.

Tenure Track

Das deutsche Wissenschaftssystem ist derzeit so gestaltet, dass nur ein Bruchteil der Juniorprofessuren mit einem Tenure Track ausgestattet wird. Dies führt dazu, dass Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen ein erhebliches Risiko tragen, dass sie nicht auf eine Lebenszeitprofessur berufen werden. Der Wettbewerb der Besten um Professuren ist ganz ohne Zweifel wünschenswert und notwendig. Jedoch besteht ein Problem, wenn eine Berufung auf eine solche Professur durchschnittlich erst in einem Alter von 40 Jahren erfolgt und bis zu diesem Zeitpunkt eine schwer kalkulierbare Situation für die Juniorprofessoren herrscht. Die Einrichtung von Tenure-Track-Positionen kann dazu beitragen, die Option einer Übernahme an der eignen Hochschule zu ermöglichen, ohne dass ein Automatismus besteht. Nach wie vor, muss sich der Kandidat bewähren, um eine W2- oder W3- Professur zu erhalten. Die Wettbewerbsphase würde hingegen auf den Zeitpunkt zur Berufung als Juniorprofessor vorverlegt werden. Eine solche Anpassung würde eine Wissenschaftskarriere für junge Forschende attraktiver gestalten und bessere Kandidatinnen und Kandidaten anziehen.